Das Werk „Foto- und Bildrecht“ von dem Hamburger Rechtsanwalt Dr. Endress Wanckel liegt nunmehr in der 4. Auflage vor.  Es erschien im C.H. Beck Verlag, München, 2012, ISBN 978-3-406-61433-0, und kostet 49,- Euro.

Wie kein anderes Rechtsgebiet ist das Urheberrecht, in das das Foto- und Bildrecht einzuordnen ist, einem stetigen Wandel in der Gesellschaft unterzogen. Neue Technologien sowie das stetig wachsende Interesse an dem Privatleben diverse Promis oder solcher Personen, die dieser Kategorie nur zu gerne zugeordnet werden möchten verursachen eine schier unüberschaubare Fülle an Gerichtsentscheidungen, die daher dieses interessante und vielfältige Rechtsgebiet prägen. Die richtungsweisende Rechtsprechung hat der Autor aufgegriffen und erläutert seine Ausführungen praxisnah und verständlich anhand der ergangenen Urteile.

Das Werk ist in 4 Teile gegliedert.

Teil 1 des Werkes behandelt Fragen zur Bildbeschaffung. Dabei stellt der Autor verständlich und untermauert von zahlreichen Beispielen zunächst dar, welche Rechtsprobleme bei der Herstellung eines Bildes zu beachten sind. Fragen des Eigentums, des Hausrechts sowie der Videoüberwachung werden ebenso behandelt wie Fotografierverbote bzgl. militärischer Anlagen. Einen wichtigen Aspekt nimmt bei der Bildherstellung auch die Privatsphäre ein. Dass der Autor hier durch seine eigene Teilnahme an dem „Caroline von Monaco“-Verfahren versiert ist, merkt man schnell. Überdies wird in diesem Teil der Fotoerwerb von Agenturen und Fotografen erläutert. Die nicht zu unterschätzenden rechtlichen Stolperfallen in diesem Bereich werden kurz und prägnant dargestellt. Die Frage „Wen oder was darf ich fotografieren?“ ist am Ende des ersten Teils ausführlich beantwortet.

Teil 2 beschäftigt sich derweil mit der Veröffentlichung von Fotos. Differenziert zwischen der Veröffentlichung von Sachfotos sowie der von Personenfotos, legt der Autor plausibel die Grundsätze des Rechts am eigenen Bild sowie urheberrechtliche und wettbewerbsrechtliche Beschränkungen dar.

Im 3. Teil des Werkes stellt der Autor die Rechtsfolgen der rechtswidrigen Herstellung und Verbreitung von Fotos dar. Gängige, für den rechtswidrig Handelnden meist kostspielige, Sanktionen in Form von Unterlassungs- und Zahlungsansprüchen werden hier ausführlich neben strafrechtlichen Sanktionen oder bspw. des Hausverbot behandelt.

Der 4. und letzte Teil geht konkret und sehr praxisbezogen auf Rechtsfragen zwischen Fotografen und Verwertern ein. Hier werden urheberrechtliche Grundlagen in Bezug auf vom Fotografen angefertigte Bilder vermittelt und in Kontext zu deren Verwertung gesetzt.

Nicht zu vernachlässigen ist der Anhang, in dem Erläuterungen zu Honorarkatalogen – insoweit interessant für Rechtsanwälte, die auf diesem Gebiet tätig sind – enthalten sind. Überdies finden sich hier neben einigen nützlichen Adressen auch die einschlägigen Texte des Kunsturhebergesetzes (KUG) sowie der Urheberechtsgesetzes (UrhG).

Das Werk ist durchweg mit wegweisender Rechtsprechung bestückt. Dabei wird diese Rechtsprechung nicht nur kurz in Fußnoten als Verweis genannt. Vielmehr wird anhand der ergangenen Urteile die Rechtsmaterie – insoweit äußerst praxisnah – erläutert und etwaige Rechtsprobleme dargestellt.

Obgleich dem Werk im letzten Teil die Vermittlung einiger Urheberrechtlicher Fragen sehr gut gelingt, empfiehlt es sich doch, Basiswissen auf dem Gebiet mitzubringen. Zu abrupt würde sich sonst der Einstieg in das Werk darstellen. Hier merkt man, dass es von einem auf diesem Gebiet versierten Rechtsanwalt verfasst ist. Ohne lange Einleitungen kommt das Werk direkt auf den Punkt – und weist dennoch einen beachtlichen Umfang von mehr als 420 Seiten auf.

Für Fotografen, die auf diesem Gebiet rechtssicher agieren wollen, Juristen im Medienbereich oder auf diesem Gebiet tätige Rechtsanwälte stellt das Werk einen unverzichtbaren Begleiter dar, der – auch gezielt als Nachschlagewerk – die gängigen Probleme des Foto- und Bildrechts beleuchtet und den Leser für rechtliche Stolperfallen sensibilisiert. Überdies ist das Werk aufgrund der zahlreichen zitierten Entscheidung äußerst wertvoll und hilfreich bei der Suche nach einschlägiger Rechtsprechung.